Gerdas Adventskalender

Montag, 7. Juli 2014

Die Wichtel-Männchen




Die Wichtelmännchen

Es war einmal ein ehrlicher und gläubiger Schuhmacher der ohne eigenes
Verschulden arm geworden war. Sein kleiner Laden ging so schlecht,
das er inzwischen nur noch einen sehr kleinen Rest von Leder hatte,
wovon er gerade mal noch ein einziges Paar Schuhe herstellen konnte.
Voller Kummer bereitete er die letzten beiden Lederstücke für den
nächsten Tag vor und weil es bereits spät am Abend war, nahm er
gemeinsam mit seiner Frau das kärgliche Abendessen in Form einer
Kartoffelsuppe ein und gingen schließlich früh zu Bett.
Kaum hatten die beiden ihr allabendliches Nachtgebet gesprochen,
schliefen sie auch schon voller Müdigkeit ein. Am nächsten
Morgen begannen die beiden frohgemut den Tag mit einem Morgengebet.
Nachdem sie sich gewaschen und angezogen hatten, schnitt seine
Frau ein paar trockene Scheiben von ihrem letzten Laib Brot ab,
während der Schuster kurz in seiner Werkstatt nach dem Rechten sah.
Kaum hatte er seine Werkstatt mit dem angeschlossenen Laden betreten,
kam er ins Staunen. Denn zu seiner Überraschung war die beiden
letzten Lederstücke verschwunden. Stattdessen lag ein glänzendes
und frisch poliertes Paar neuer Schuhe an seinem Arbeitsplatz.
Voller Verwunderung nahm der Schuster das Paar Schuhe in
die Hand und prüfte es kritisch. Doch von welcher Seite er sich das Paar
Schuhe auch besah, es war ein wahres Meisterstück.
Er hatte noch nie ein so feines und gut genähtes Paar Schuhe gesehen,
wie dieses, und wie es blitz, blank glänzte!
Während er noch immer voller Bewunderung die phantastische
Arbeit betrachtete, erklang plötzlich das kleine Glöckchen über
der Eingangstür zu seinem kleinen Laden und der erste Kunde seit
langer Zeit trat in das ärmliche Geschäft ein. Auch der Kunde war
von der hervorragenden Arbeit des Schuhwerk angetan,  so das er
es sofort kaufte. Aber nicht nur das, denn die Schuhe hatten dem
Kunden so sehr gefallen, das er sogar einen weit höheren Preis
dafür bezahlte, als es nötig gewesen wäre. Der Schuster strahlte
vor lauter Freute ob des Preises für die verkauften Schuhe, das er
darauf gleich in die Stube zu seiner Frau eilte und ihr von den
wundersamen Vorgängen in seiner Werkstatt erzählte und auch
von dem überaus fürstlichen Preis das er für das Schuhwerk erhalten hatte.
Denn der Schuster hatte für die Schuhe soviel Geld bekommen,
das er sogleich neues Leder für gleich zwei Paar Schuhe
kaufen konnte. Nachdem er mit seiner Frau zusammen gefrühstückt
hatte, machte er sich auch gleich auf den Weg um von dem
eingenommenen Geld neues Leder zu kaufen. Fast den ganzen
Tag hatte er für den weiten Weg zum Kürschner gebraucht
und als er am Nachmittag müde wieder zu Hause ankam,
schnitt er das neue Leder noch am selben Abend zu und
bereitete alles für die Arbeit am nächsten Tag vor.
Denn gleich am nächsten Morgen wollte er mit neu
gefassten Lebensmut sich frisch an das Tagwerk machen.
Doch kaum war die Nacht vergangen und das gemeinsame
Frühstück mit seiner lieben Frau gegessen, begab er sich
in die Werkstatt und fing erneut an zu staunen. Denn wieder wa
r das Leder bereits verarbeitet und wieder war ihm die gesamte
Arbeit abgenommen. Nur  das diesmal gleich zwei wunderschöne
Paare glänzender Schuhe fix und fertig poliert auf seinem
Arbeitstisch standen. So schön und wunderbar gefertigt,
das sie ihm fast noch besser gefielen als das erste Paar.
Kaum hatte sich seine Verwunderung gelegt, erklang auch
schon das kleine Glöckchen über der Ladeneingangstür und
die erste Kundschaft des Tages trat ein. Auch sie waren von
dem Schuhwerk so angetan, das es nicht lange dauerte und alle
beiden Paar Schuhe waren zu einem äußerst guten Preis verkauft.
Jetzt hatte der Schuster bereits das Geld für soviel Leder
zusammen, das er es sich leisten konnte, sogar für vier
Paar Schuhe Leder zu kaufen. Schnell schloss er seinen
Laden zu, gab seiner Frau Bescheid und machte sich wieder
auf den Weg zum Kürschner. Als er am Nachmittag wieder
zurück war, setzte er sich sofort an seinen Arbeitsplatz,
und kaum das es Abend geworden war, hatte er bereits für
alle vier Paar Schuhe das Leder zurecht geschnitten.
Doch von nun an, war es an jedem Tag das Gleiche.
Jeden Morgen wenn er aufstand und mit seiner Arbeit
beginnen wollte, standen die neu gefertigten Schuhe bereits fix und fertig
auf seinem Arbeitstisch.
Das Schuhwerk war so gut, das es sich bald in der ganzen Stadt
herum gesprochen hatte und seine Kundschaft immer größer wurde
und den Schuster zu einem wohlhabenden Mann machte.
Doch eines Tage, es war kurz vor der Weihnachtszeit, der Schuster
hatte am Abend gerade wieder einmal das Leder für den nächsten
Tag zurecht geschnitten, sagte er zu seiner Frau:
" Was hältst du davon, wenn wir einmal die ganze
Nacht aufbleiben und uns heimlich verstecken um zu sehen
wer uns diese Freude macht und uns die ganze Arbeit abnimmt?
Auch würde es mich unheimlich interessieren wer in der Lage ist,
solch wunderschöne Schuhe herzustellen?"
Die Frau gab ihm recht und zündete eine Kerze an.
Kurz darauf versteckten sich die Eheleute hinter ein paar
aufgehangene Kleidungsstücke und legten sich auf die Lauer.
Ungeduldig warteten sie auf die unbekannten Gäste.
Kaum hatte die nahe Kirchturmuhr Mitternacht geschlagen,
erschienen plötzlich wie aus dem Nichts ein paar kleine nackte Männlein,
setzten sich an den Arbeitstisch des Schusters und begannen flink
und gekonnt das zurecht geschnittene Leder zu verarbeiten.
Sie waren dabei so flink und fleißig, das der Schuster aus dem
Staunen nicht heraus kam. kaum hatten die kleinen
Wichtel ihre Arbeit getan, verschwanden sie ebenso
lautlos wie sie gekommen waren und das Ehepaar ging zu Bett.
Am nächsten Morgen, als sich ihre Verwunderung gelegt hatte,
sprach die Frau des Schusters zu ihrem Gatten:
"Hör mir zu mein lieber Mann, ich habe mir etwas überlegt. 
Die kleinen Männchen haben uns reich und sorgenfrei gemacht.
Wir sollten uns bei ihnen bedanken und ihnen auch etwas schenken.
Schließlich ist bald Weihnachten, draußen ist es bereits kalter
Winter und eine Belohnung für ihre gute Arbeit haben sie sich
wahrlich verdient. Ich werde für jeden von ihnen ein Hemd,
Hose und dazu ein warmes Jäckchen stricken und ein paar warme
Wollsocken bekommt jedes Wichtelmännchen auch noch von mir!
Du aber könntest dich erkenntlich zeigen, wenn du jedem von ihnen
auch noch ein hübsches Paar kleiner Schuhe fertigst!
Der Mann zeigte sich zufrieden über den Vorschlag seiner
Frau und die Beiden machten sich auch sofort an die Arbeit.
Kaum neigte sich der arbeitsreiche Tag seinem Ende,
hatten die zwei auch ihre Arbeit geschafft.
Sorgfältig packten sie die Sachen in feines Geschenkpapier und
legten statt des zurecht geschnittenen Leder diesmal die Geschenke
auf den Arbeitstisch des Schusters und versteckten sich abermals.
Denn die Beiden wollten unbedingt miterleben was die
Wichtel wohl ob der Geschenke tun würden? 
Kaum hatte die Kirchturmuhr mitten in der Nacht zur zwölften
Stunde geschlagen, kamen auch schon die Wichtel ins Haus
und wollten sich schnell an die Arbeit machen.
Doch als sie statt des zurecht geschnittenen Leders die hübschen
Geschenke sahen wunderten sie sich zuerst sehr.
Dann aber überwältigte sie die Freude über die gelungene
Überraschung und die niedlichen Kleidungsstücke samt Schuhwerk.
Eilig und glücklich zogen sie die Sachen sofort an, während das
Schusterehepaar sie mit heimlicher Freude dabei beobachtete.
Ganz geschwind hatten die niedlichen Wichtel sich angekleidet
und strichen zufrieden und voller Freude über den feinen Stoff
ihrer neuen Kleidungsstücke und begannen vor lauter Glück an
zu singen:
"Sind wir nicht Männlein, sauber fein?"
"Und müssen nicht mehr Schuster sein!"
Dann begannen sie sogar freudig zu tanzen. Hüpften und sprangen
quer durch die kleine Werkstatt samt dem angeschlossenen Laden
und waren plötzlich genauso geheimnisvoll wieder verschwunden
wie sie gekommen waren und wurden seitdem nie mehr gesehen.
Von nun an musste der Schuster seine Arbeit wieder selber machen,
denn die Wichtelmännchen kamen nie mehr zurück.
Aber der Schuster und seine Frau waren dennoch zufrieden.
Sie freuten sich am Glück der Wichtelmännchen und seine Arbeit
machte dem Schuster ja Spaß. Denn seit dieser Nacht glückte
dem Schuster alles was er in die Hände nahm und auf jede seiner
Arbeiten lag ein guter Segen und so lebten die Beiden glücklich
und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.




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